12/06/2026
Schadstoffklasse beim Auto finden – und warum sie wichtig ist

Du willst in die Innenstadt und plötzlich steht da ein Schild: Umweltzone. Grüne Plakette erforderlich. Und dann fällt dir ein: Eigentlich weißt du gar nicht, welche Schadstoffklasse dein Auto hat.
Genau in diesem Moment wird die Schadstoffklasse wichtig. Nicht beim Kauf, nicht beim TÜV-Termin, sondern wenn du vor einem gesperrten Bereich stehst, ein Bußgeld riskierst oder merkst, dass dein Gebrauchtwagen in bestimmten Städten gar nicht fahren darf.
In diesem Artikel erfährst du, wo die Schadstoffklasse im Fahrzeugschein steht, wie du die Emissionsschlüsselnummer liest und was die Einstufung konkret für deinen Alltag bedeutet – von Fahrverboten über Steuern bis hin zum Wiederverkaufswert.
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Was ist die Schadstoffklasse?
Die Schadstoffklasse gibt an, wie viele Schadstoffe ein Fahrzeug ausstößt und in welche offizielle Kategorie es damit fällt. Du wirst auch den Begriff Emissionsklasse begegnen, oder einfach die Euronorm beziehungsweise Abgasnorm. Dahinter steckt dasselbe: ein europaweit einheitliches System, das Fahrzeuge nach ihrem Abgasverhalten einstuft.
Die Skala reicht von Euro 1 bis heute Euro 6d. Je höher die Zahl, desto sauberer das Fahrzeug und desto weniger Schadstoffe gelangen bei der Verbrennung in die Luft.
Im Alltag taucht die Schadstoffklasse an drei Stellen auf: bei der Kfz-Steuer, beim Zugang zu Umweltzonen und bei Fahrverboten. Mit einer niedrigen Einstufung zahlst du unter Umständen mehr Steuern, brauchst eine bestimmte Umweltplakette oder darfst bestimmte Gebiete gar nicht befahren.
Warum die Schadstoffklasse wichtig ist
Die Schadstoffklasse bestimmt direkt, wo du fahren darfst und was dein Auto kostet. Drei Bereiche betrifft sie konkret:
- Umweltzonen und Fahrverbote: Viele deutsche Städte haben Umweltzonen, die nur für Fahrzeuge mit bestimmter Einstufung zugänglich sind. Ältere Diesel können von Fahrverboten betroffen sein – unabhängig davon, ob das Fahrzeug technisch einwandfrei ist.
- Kfz-Steuer: Die Steuerberechnung hängt unter anderem vom CO₂-Ausstoß ab, der eng mit der Schadstoffklasse zusammenhängt. Ältere, schadstoffreichere Fahrzeuge sind tendenziell teurer im Unterhalt.
- Umweltplakette: Welche Plakette du bekommst – rot, gelb oder grün – hängt direkt von der Euronorm ab. Ohne die richtige Plakette kommst du in manche Städte schlicht nicht rein.
Auch beim Verkauf spielt es eine Rolle: Fahrzeuge mit höherer Schadstoffklasse sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt gefragter. Mit Euro 6 verkaufst du leichter als mit Euro 4, besonders wenn Städte ihre Fahrverbote ausweiten.
Die Anforderungen werden strenger, nicht lockerer. Was heute noch problemlos durchkommt, kann in ein paar Jahren zur echten Einschränkung werden.
Wo steht die Schadstoffklasse im Fahrzeugschein?
Die Schadstoffklasse ist im Fahrzeugschein bzw. in der Zulassungsbescheinigung Teil I vermerkt, die du immer im Auto mitführen musst. Du findest sie in den Feldern 14 und 14.1. Beide Felder beziehen sich auf dieselbe Information, zeigen sie aber unterschiedlich an: Feld 14 in lesbarer Form, Feld 14.1 als codierte Schlüsselnummer.
Feld 14 im Fahrzeugschein
Feld 14 zeigt die Euronorm direkt im Klartext, zum Beispiel „EURO 4" oder „EURO 6d". Das ist der schnellste Weg, die Schadstoffklasse deines Fahrzeugs zu bestimmen. Du musst nichts entschlüsseln, die Einstufung steht direkt da.
Die Schreibweise kann leicht variieren: Mal steht „Euro 4", mal „EURO4", mal „EURO 6d-TEMP". Das klingt unterschiedlich, meint aber jeweils dieselbe Norm. Was sich genau hinter Euro 4 verbirgt, steht in den technischen Unterlagen zur jeweiligen Norm.
Feld 14.1 im Fahrzeugschein
Im Feld 14.1 steht die Emissionsschlüsselnummer, ein Code, der die Schadstoffklasse für Behörden und Zulassungsstellen maschinenlesbar macht. Feld 14 ist für dich als Fahrer gedacht, 14.1 dient der verwaltungsseitigen Klassifizierung.
Bei älteren Fahrzeugen besteht der Code meist aus zwei Ziffern, zum Beispiel „32" oder „65". Neuere Fahrzeuge haben vierstellige alphanumerische Codes wie „36ZA" oder „35B0". Der Code verweist jeweils auf eine konkrete Kombination aus Euronorm, Kraftstoffart und Fahrzeugkategorie.
Besonders nützlich wird das, wenn Unterschiede innerhalb einer Euronorm eine Rolle spielen, etwa zwischen Euro 6b und Euro 6d. Feld 14 würde in beiden Fällen schlicht „EURO 6" zeigen. Feld 14.1 macht die genaue Variante sichtbar.
Schadstoffklasse in alten Fahrzeugscheinen
Vor 2005 gab es noch keine Zulassungsbescheinigung Teil I, stattdessen war der Kraftfahrzeugschein in Gebrauch.
Die Emissionsklasse war dort, sofern eingetragen, unter „Schlüsselnummer zu 1" oder im Abschnitt für technische Daten zu finden. Typisch steht dort zum Beispiel eine Angabe wie Schlüsselnummer zu 1: 32. Eine einheitliche Kennzeichnung wie heute gab es nicht.
Bei älteren Fahrzeugen hilft eine Anfrage bei der zuständigen Zulassungsstelle oder ein Blick in die Herstellerunterlagen.
Emissionsschlüsselnummer im Fahrzeugschein lesen: Tabelle
Im Feld 14.1 deines Fahrzeugscheins steht ein Code, der auf den ersten Blick nichts aussagt. Bei älteren Fahrzeugen besteht er aus zwei Ziffern, bei neueren aus vier Zeichen, teils mit Buchstaben. Jede Kombination entspricht einer bestimmten Euronorm, Kraftstoffart und Fahrzeugkategorie.
Schau dir den Code in deinem Fahrzeugschein an und vergleiche ihn mit der Tabelle unten, um die passende Schadstoffklasse zu finden:
Emissionsklasse | Gültig ab | Beispiel-Schlüsselnummern (14.1) |
EURO 1 | Juli 1992 | 01, 02, 03, 04, 09, 11, 12, 13, 14, 16, 18, 21, 22, 77 |
EURO 2 | Januar 1996 | 25, 26, 27, 28, 29, 34, 35, 40, 41, 49, 71 |
EURO 3 | Januar 2000 | 30, 31, 36, 37, 42, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61 |
EURO 4 | Januar 2005 | 32, 33, 38, 39, 43, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70 |
EURO 5 | September 2009 | Codes ab 35 (z. B. 35A0, 35B0, 35F0, 35J0, 35M0) |
EURO 6 | September 2014 | Codes ab 36 (z. B. 36N0, 36P0, 36R0, 36U0, 36ZA) |
💡Hinweis
Manche Fahrzeugscheine zeigen längere technische Codes wie „EURO6;P;CI;N1 II". Der wesentliche Teil ist die Euronorm am Anfang. Der Rest dient der technischen Feinklassifizierung und spielt im Alltag keine Rolle.
Euro 7: Die kommende Abgasnorm
Euro 7 ist die nächste Abgasnorm der EU und soll die Emissionsgrenzwerte gegenüber Euro 6 nochmals verschärfen. Wie bei früheren Normen auch soll die Norm zunächst für neue Fahrzeugtypen und anschließend schrittweise für alle Neuzulassungen gelten.
Aktuell ist das Inkrafttreten für Pkw ab 2026 vorgesehen, für leichte Nutzfahrzeuge ab 2027. Diese Termine können sich noch verschieben.
Neu bei Euro 7 sind vor allem strengere Grenzwerte unter realen Fahrbedingungen, ein erweiterter Testrahmen und die erstmalige Berücksichtigung von Nicht-Auspuff-Emissionen wie Reifenabrieb und Bremsstaub.
Für die meisten Fahrer ist Euro 7 heute noch kein unmittelbares Thema. Wichtig wird es beim Kauf eines Neuwagens oder wenn du langfristig planst, wie lange ein Fahrzeug zugelassen bleiben soll.
Schadstoffklasse und Umweltplakette: Wo liegt der Unterschied?
Viele verwechseln Schadstoffklasse und Umweltplakette – dabei sind es zwei verschiedene Dinge. Die Schadstoffklasse ist die technische Einstufung deines Fahrzeugs nach Euronorm. Die Umweltplakette ist ein davon abgeleitetes, vereinfachtes System, das den Zugang zu Umweltzonen regelt.
Je nach Euronorm bekommt dein Fahrzeug eine farbige Plakette, die du sichtbar an der Windschutzscheibe anbringen musst, wenn du in eine Umweltzone einfahren willst. Die Farbe bestimmt, ob du hineindarfst.
Ab Euro 4 gibt es in der Regel eine grüne Plakette und damit freie Fahrt in alle deutschen Umweltzonen. Ältere Fahrzeuge erhalten gelbe oder rote Plaketten, oder gar keine.
Euronorm | Umweltplakette |
EURO 1 | ✖️ Keine Plakette |
EURO 2 | 🔴 Rote Plakette |
EURO 3 | 🟡 Gelbe Plakette |
EURO 4 | 🟢 Grüne Plakette |
EURO 5 | 🟢 Grüne Plakette |
EURO 6 | 🟢 Grüne Plakette |
Die Plakette ist keine neue Bewertung, sondern eine Übersetzung der Schadstoffklasse in ein praktisch nutzbares Zugangssystem. Kennst du deine Euronorm, weißt du damit auch, welche Plakette du hast.
Diesel-Fahrverbote und Umweltzonen
Zwei Konzepte, die oft durcheinandergebracht werden: Umweltzonen und Diesel-Fahrverbote in Deutschland. Beide schränken den Zugang bestimmter Fahrzeuge ein, aber nach unterschiedlichen Regeln.
Umweltzonen gibt es in vielen deutschen Städten. Zum Reinfahren brauchst du die passende Umweltplakette. Da die Plakette direkt von der Schadstoffklasse abhängt, entscheidet die Euronorm faktisch, ob du reindarfst.
Diesel-Fahrverbote gehen weiter. Sie können bestimmte Fahrzeuge ausschließen, selbst wenn sie eine gültige Umweltplakette haben. Betroffen sind vor allem ältere Dieselfahrzeuge, häufig solche unterhalb von Euro 5 oder Euro 6, je nach Stadt und Regelung. Eine grüne Plakette schützt in solchen Zonen also nicht automatisch vor einem Fahrverbot.
Kennst du deine Schadstoffklasse, weißt du, wo du fahren darfst und wo nicht. Die Regeln variieren von Stadt zu Stadt und ändern sich regelmäßig. Vor Fahrten in betroffene Gebiete lohnt es sich, die aktuellen Regelungen der jeweiligen Stadt zu prüfen.
Strafen für das Fahren ohne Umweltplakette in Umweltzonen
Ohne gültige Plakette in eine Umweltzone einzufahren kostet dich ein Bußgeld – egal ob vergessen, falsch angebracht oder schlicht nicht vorhanden. Die Beträge sind einheitlich festgelegt:
Verstoß | Bußgeld |
Umweltzone ohne oder mit falscher Plakette befahren oder geparkt | 100 € |
Falsche Plakette am Fahrzeug angebracht | 100 € |
Plakette falsch angebracht (nicht unten rechts an der Windschutzscheibe) | 100 € |
Kennzeichen auf Plakette stimmt nicht mit Fahrzeug überein | 100 € |
Gefälschte Plakette verwendet (Urkundenfälschung §267 StGB) | Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren |
Das Fälschen oder Manipulieren einer Plakette, etwa das Umfärben von gelb auf grün, ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. Fällt es bei der Hauptuntersuchung auf, wird die HU-Plakette verweigert.
Weitere Wege, die Schadstoffklasse herauszufinden
Fahrzeugschein gerade nicht zur Hand? Es gibt weitere Wege, die Euronorm eines Fahrzeugs zu ermitteln.
- Herstellerunterlagen: Viele Hersteller geben die Schadstoffklasse in den offiziellen Fahrzeugdaten an, oft abrufbar nach Modell, Baujahr und Motorvariante. Bei neueren Fahrzeugen ist das meist die schnellste Alternative zum Fahrzeugschein.
- TÜV, DEKRA oder Werkstatt: Eine freie öffentliche Datenbank für Emissionsklassen gibt es in Deutschland nicht. TÜV und DEKRA können die Schadstoffklasse im Rahmen von Inspektionen oder kostenpflichtigen Prüfungen bestätigen, ein eigenständiger Online-Abruf ist darüber nicht möglich.
- Fahrzeughistorie per Fahrgestellnummer: Über einen VIN Decoder oder einen Bericht zur Fahrzeughistorie lässt sich die Euronorm anhand der Herstellerdaten und Fahrzeugspezifikationen ermitteln. Das ist besonders bei Gebrauchtwagen hilfreich, wenn die Papiere fehlen oder unvollständig sind.
Du kennst die Schadstoffklasse – jetzt prüfe die Fahrzeughistorie mit carVertical
Die Schadstoffklasse sagt dir, wo ein Auto fahren darf und welche Einschränkungen es hat. Was sie nicht zeigt: was das Fahrzeug bisher erlebt hat.
Beim Gebrauchtwagenkauf ist genau das der blinde Fleck. Ein carVertical-Bericht zeigt die Emissionsklasse zwar nicht direkt an, aber er liefert Informationen, die beim Kauf mindestens genauso ins Gewicht fallen.
- Kilometerstand-Überprüfung: Stimmt der angezeigte Kilometerstand mit den historischen Einträgen überein, oder gibt es Anzeichen für Tachomanipulation?
- Unfall- und Schadenshistorie: War das Fahrzeug in Unfälle verwickelt, und wie schwer war der Schaden?
- Diebstahlprüfung: Über den Bericht lässt sich prüfen, ob das Fahrzeug als gestohlen gemeldet wurde – eine Vorsichtsmaßnahme, die vor jedem Kauf zur Routine gehören sollte.
- Fotos und frühere Inserate: Frühere Bilder zeigen, ob der aktuelle Zustand mit der Beschreibung übereinstimmt.
- Rückrufe und Sicherheitsprobleme: Ob eine offene Rückrufaktion für das Auto vorliegt, die noch nicht behoben wurde.
Nur auf Inseratangaben oder das Wort des Verkäufers zu vertrauen reicht nicht. Ohne überprüfte Daten merkst du Probleme oft erst später – am Wiederverkaufswert, an der Zulassung oder an den Unterhaltskosten.
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