24/02/2026
Abgasnorm Euro 7: Alles, was du vor dem Inkrafttreten wissen solltest

Ist es noch sinnvoll, einen Benziner oder Diesel zu kaufen, wenn das Auto in ein paar Jahren bestimmte Städte möglicherweise nicht mehr befahren darf? Seit die Abgasnorm Euro 7 festgelegt wurde, stellen sich viele diese Frage.
Die neuen Vorgaben betreffen Hersteller, Modellangebote, Preise und die Planbarkeit im Alltag. Dadurch rücken Umweltzonen, mögliche Fahrverbote und auch der Wiederverkaufswert stärker in den Fokus.
Zu Euro 7 gibt es einige Missverständnisse. So werden bestehende Fahrzeuge nicht automatisch aus dem Verkehr gezogen und die Regeln betreffen mehr als nur klassische Verbrenner. Hier erfährst du, was die Abgasnorm Euro 7 konkret vorschreibt, ab wann sie greift und was das für dich beim Kauf, im Alltag und beim späteren Verkauf bedeutet.
Was ist die Abgasnorm Euro 7?
Die Abgasnorm Euro 7 folgt auf Euro 6 und ist die nächste Stufe der europäischen Emissionsvorgaben. Seit den 1990er-Jahren schränkt die EU die zulässigen Grenzwerte schrittweise ein, sodass Fahrzeuge mit jeder neuen Norm weniger Schadstoffe ausstoßen durften.
Euronorm 7 setzt diesen Trend mit strengeren Maßstäben fort.
Neu ist, dass auch Partikel aus Bremsen und Reifen berücksichtigt werden. Außerdem gelten strengere Anforderungen an die Lebensdauer der Emissionssysteme. Die Technik muss also im Alltag dauerhaft funktionieren, nicht nur im Test.
Die Regeln gelten für Benziner, Diesel, Hybride und Elektrofahrzeuge ebenso wie für Transporter, Lkw und Busse. Die Norm betrifft damit nahezu jedes neue Fahrzeug, das in der EU zugelassen wird.
Für die Hersteller steigen die Anforderungen deutlich, wodurch sich für dich als Käufer veränderte Modellangebote oder höhere Preise ergeben können. Städte verbinden mit der neuen Euro-7-Norm die Erwartung, dass die Luftbelastung sinkt.
Warum Euronorm 7 wichtig ist
Der Straßenverkehr trägt in vielen Städten deutlich zur Luftverschmutzung bei. Stickoxide und Feinstaub stehen im Verdacht, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auszulösen.
Euro 7 ist Teil einer langfristigen Strategie, um diese Belastung insgesamt zu senken. Auch wenn moderne Fahrzeuge heute deutlich sauberer sind als frühere Modelle, schreibt die Norm weitere technische Verbesserungen bei allen Antriebsarten vor.
Wann kommt Euronorm 7?
Zwar ist die Euro-7-Norm bereits beschlossen und seit 2024 Teil des EU-Rechts, jedoch müssen nicht alle Neuwagen sofort die neuen Grenzwerte erfüllen. Zwischen dem formalen Inkrafttreten und der Pflicht zur Anwendung liegen Übergangsfristen.
Zunächst greifen die Vorgaben ab dem 29. November 2026 für neue Fahrzeugtypen, also für neu genehmigte Pkw- und Transportermodelle. Ab dem 29. November 2027 gilt die Norm schließlich für alle neu zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge. Ab diesem Zeitpunkt dürfen nur noch Fahrzeuge verkauft werden, die die neuen Grenzwerte einhalten.
Für Lkw und Busse beginnt die Übergangsfrist erst ab dem 29. Mai 2028, verbindlich wird die Norm für alle neu zugelassenen schweren Nutzfahrzeuge schließlich ab dem 29. Mai 2030. Fahrzeuge, die vor diesen Terminen nach Euro 6 genehmigt wurden, bleiben weiterhin zulässig.
Anforderungen der Euro 7 Norm im Überblick
Die Abgasnorm Euro 7 verschärft nicht nur einzelne Grenzwerte, sie betrachtet das gesamte Fahrzeug. So legt die Norm beispielsweise fest, wie viele Schadstoffe ein Auto ausstoßen darf, wie lange es diese Werte einhalten muss und unter welchen Bedingungen gemessen wird.
Es geht also nicht mehr nur um den Motor, sondern um alle relevanten Emissionsquellen. Das bedeutet strengere Prüfungen und längere Haltbarkeitsvorgaben. Die Regeln betreffen mehrere Bereiche.
Haltbarkeit
Künftig müssen Fahrzeuge die Emissionsgrenzwerte über einen deutlich längeren Zeitraum einhalten. Die vorgeschriebene Haltbarkeit der Abgasreinigung beträgt in der Regel 8 Jahre oder 160.000 Kilometer, in erweiterten Anforderungen sogar 10 Jahre oder 200.000 Kilometer. Die Abgasreinigung darf nicht nur in den ersten Jahren sauber arbeiten, sondern muss auch bei hoher Laufleistung zuverlässig funktionieren. Zusätzlich überwacht ein On-Board-Monitoring-System (OBM) die Emissionen kontinuierlich und erkennt Abweichungen frühzeitig.
Die Hersteller müssen die Funktionsfähigkeit von Bauteilen wie Katalysatoren, Partikelfiltern und Sensoren über viele Jahre hinweg nachweisen. Für Batterien von Elektro- und Hybridfahrzeugen gelten ebenfalls Mindestanforderungen: Sie müssen nach 5 Jahren oder 100.000 Kilometern noch mindestens 80 % ihrer Kapazität erreichen und nach 8 Jahren oder 160.000 Kilometern mindestens 72 %.
Für dich als Verbraucher bedeutet das mehr Sicherheit, dass die Emissionswerte nicht frühzeitig ansteigen.
Was regelt die Euro 7 Norm für Reifen?
Euro 7 bezieht erstmals auch den Reifenabrieb mit ein. Denn beim Fahren lösen sich feine Partikel, die in die Luft gelangen. Die neue Norm legt nun für diesen Abrieb klare Vorgaben fest – unabhängig vom Antrieb. Auch Elektrofahrzeuge fallen unter diese Regelung, da sie Reifenpartikel verursachen.
Die Grenzwerte für den Reifenabrieb gelten ab dem 1. Juli 2028 und treten damit unabhängig vom allgemeinen Euro-7-Zeitplan für neue Fahrzeuge in Kraft. Gemessen wird der Abrieb nach der UN/ECE-Regelung Nr. 117, wobei die Menge der Partikel pro Tonne Fahrzeuggewicht die Grundlage bildet.
Wie hoch die Emissionen ausfallen, hängt stark vom Reifendesign ab. Unterschiede um den Faktor vier sind möglich.
Bremsen
Auch die Bremsen rücken stärker in den Fokus, da sich beim Bremsen feine Partikel von den Belägen lösen, die als Feinstaub in die Luft gelangen. Mit EU7 müssen Hersteller Bremssysteme so auslegen, dass Abrieb reduziert oder Partikel besser zurückgehalten werden.
Konkret gelten künftig Grenzwerte von 7 mg/km für Fahrzeuge mit Verbrennungs- oder Hybridantrieb sowie von 3 mg/km für Elektrofahrzeuge. Zum Vergleich: Bremsstaub macht etwa 20 Prozent der gesamten Partikelemissionen eines Fahrzeugs aus.
Welche Regeln gelten für Euro-7-Motoren?
Bei klassischen Verbrennungsmotoren sind weiterhin Grenzwerte für Stickoxide, Kohlenmonoxid und Partikel maßgeblich. Die Euro 7 Norm präzisiert diese Vorgaben und verschärft die Prüfbedingungen.
Die Messungen finden nicht nur im Labor, sondern auch unter realen Fahrbedingungen auf der Straße statt. Gleichzeitig werden die On-Board-Systeme zur Emissionsüberwachung so erweitert, dass das Fahrzeug Abweichungen selbst erkennt und dauerhaft innerhalb der Grenzwerte bleibt.
Euro-7-Vorgaben für Elektroautos
Obwohl Elektrofahrzeuge keine klassischen Abgase ausstoßen, gibt es auch für sie bestimmte Vorgaben. So schreibt die EU7 Gesetzgebung neben dem Reifen- und Bremsabrieb auch Anforderungen an die Haltbarkeit der Batterie vor. Ihre Speicherkapazität muss über eine festgelegte Zeit und Laufleistung hinweg ein bestimmtes Niveau halten.
Änderungen für Nutzfahrzeuge und Transporter
Für Transporter, Lkw und Busse gelten ebenfalls strengere Anforderungen, die wegen ihrer höheren Laufleistungen und anderen Einsatzbedingungen teilweise individuell ausgestaltet sind. Im Mittelpunkt stehen längere Haltbarkeitsfristen und intensivere Kontrollen. Gerade im städtischen Liefer- und Busverkehr sollen die Emissionen weiter sinken.
Euro 6 vs Euro 7: Die wichtigsten Unterschiede
„Euro 6” ist kein einzelner Standard, sondern ein Sammelbegriff für mehrere Stufen, darunter 6b, 6c und 6d. Letztere ist die derzeit strengste und letzte Ausbaustufe dieser Reihe. Mit „Euro 7” startet die nächste Generation der Abgasregeln, deren Vorgaben stärker vereinheitlicht, auf zusätzliche Bereiche ausgeweitet und teils deutlich verschärft werden.
In der Übersicht stehen die wichtigsten Unterschiede bei Pkw. Manche Grenzwerte bleiben ähnlich, andere ändern sich.
Die Euronorm 7 zielt nicht nur auf neue Grenzwerte, sondern auch darauf, dass Fahrzeuge ihre Emissionen über längere Zeit und unter realen Fahrbedingungen einhalten müssen. Zusätzlich rücken Brems- und Reifenabrieb in den Fokus, und auch für Elektroautos gibt es klarere Vorgaben, wie etwa zur Haltbarkeit der Batterie.
Der Schwerpunkt liegt damit weniger auf dem reinen Laborwert. Künftig wird maßgeblich sein, was ein Fahrzeug im echten Fahrbetrieb dauerhaft einhält.
Welche Fahrzeuge erfüllen Euro 7?
Aktuell gibt es noch keine Euro 7 Plakette. Die Norm wird erst ab Ende 2026 für neue Typgenehmigungen und ab Ende 2027 für alle neu zugelassenen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge verbindlich. Vor diesen Stichtagen kann es daher keine formale Euro-7-Zulassung geben.
Viele Hersteller richten ihre neuen Modelle bereits auf die künftigen Anforderungen aus. Zwar erreichen einige Fahrzeuge technisch bereits die Grenzwerte, eine offizielle Zulassung nach EU7 Abgasnorm erhalten sie jedoch erst, wenn sie das neue Prüfverfahren durchlaufen haben und eine entsprechende Genehmigung erteilt wurde.
Die ersten nach EU7 zugelassenen Modelle sind in den Typgenehmigungsunterlagen, den technischen Datenblättern des Herstellers und den Fahrzeugpapieren vermerkt.
Wo finde ich die Euronorm meines Autos?
Die Euro-Norm steht im Fahrzeugschein (Teil I) in Feld „V.9” oder „14 / 14.1” – je nach Version des Dokuments. Dort siehst du, ob dein Auto beispielsweise nach Euro 4, Euro 5 oder einer Unterstufe wie Euro 6d zugelassen ist.
Lass dir diese Angabe beim Kauf immer zeigen. Die Emissionsklasse entscheidet darüber, ob du in bestimmte Umweltzonen fahren darfst, wie sich die Kfz-Steuer berechnet und wie attraktiv das Fahrzeug später beim Wiederverkauf ist. Angesichts der strengeren Vorgaben der Abgasnorm Euro 7 lohnt sich ein genauer Blick auf diese Details.
Zusätzlich kannst du die Emissionsklasse und die CO₂-Werte im Emissionsabschnitt eines carVertical-Berichts prüfen. Dort siehst du, wie das Fahrzeug eingestuft ist und welche CO₂-Emissionen hinterlegt sind. Das hilft dir, die Zukunftssicherheit des Autos bei möglichen städtischen Beschränkungen einzuschätzen.
Auch beim Verkauf spielen die Emissionen eine Rolle. Ein umfassender Bericht zur Fahrzeughistorie schafft hier Transparenz. Wenn dein Auto eine ältere Abgasnorm hat, kannst du die Emissionswerte offenlegen. Das schafft Vertrauen und erleichtert Interessenten die Kaufentscheidung.
Prüfe die Emissionsdaten im carVertical-Bericht
Gib unten die FIN ein, um deinen Bericht zu erhalten
Wie lange darf ich ein Euro-6-Fahrzeug noch fahren?
Ein Fahrzeug der Abgasnorm Euro 6 kannst du weiterhin wie gewohnt fahren. Mit der Einführung der Euro 7 Norm werden bestehende Autos nicht automatisch stillgelegt.
Ein generelles Fahrverbot für Euro-6-Modelle gibt es nicht. Ob du jedoch überall uneingeschränkt unterwegs sein kannst, hängt von den lokalen Regelungen ab. So können Städte beispielsweise Umweltzonen einrichten oder die Zufahrt beschränken.
Bisher waren von solchen Einschränkungen vor allem ältere Diesel betroffen, während Euro 6 in den meisten Regionen ausgenommen war. Langfristig können Kommunen ihre Vorgaben jedoch anpassen und sie auf neuere Emissionsklassen begrenzen.
Die kommende Abgasnorm Euro 7 gilt nur für neu zugelassene Fahrzeuge. Dennoch ist es sinnvoll, die Regelungen an deinem Wohnort im Blick zu behalten. Denn auch der Wiederverkaufswert eines Fahrzeugs hängt davon ab, wie stark solche Einschränkungen in Zukunft ausfallen werden.
Auswirkungen der Euro 7 Norm auf Hersteller und Halter
Die Euro-7-Regeln betreffen direkt Entwicklung, Produktion und Modellpolitik. Aber auch als Käufer oder Halter wirst du die Folgen spüren.
Auswirkungen auf Hersteller
Die Entwicklungs- und Produktionskosten steigen für die Hersteller spürbar. Aufwendigere Abgasreinigung, zusätzliche Sensoren, erweiterte Überwachungssysteme und strengere Tests unter realen Bedingungen erfordern neue technische Lösungen. Die Systeme müssen zudem über längere Zeit hinweg zuverlässig arbeiten.
Gerade bei kleinen, günstigen Fahrzeugen rechnet sich dieser Aufwand jedoch oft kaum. Schon in den vergangenen Jahren wurden Modelle wie der VW Up eingestellt, unter anderem weil strengere Emissionsvorgaben die Weiterentwicklung wirtschaftlich unattraktiv machten.
Mit der Euronorm 7 könnte sich dieser Trend fortsetzen. Wenn die Umrüstung wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt, werden einzelne Motorvarianten oder ganze Baureihen eingestellt.
Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus stärker zu elektrifizierten Antrieben. Werden Verbrennungsmotoren technisch komplexer und teurer, investieren Hersteller verstärkt in Hybrid- und Elektrofahrzeuge.
Auswirkungen auf Fahrer und Käufer
Für dich steht vor allem der Preis im Mittelpunkt. Neue Fahrzeuge können teurer werden, weil mehr Technik verbaut wird. Das betrifft sowohl Verbrenner als auch Hybridmodelle.
Auf dem Gebrauchtwagenmarkt bleibt ein Euro-6-Fahrzeug zwar zunächst voll nutzbar, sein Wert hängt aber davon ab, wie sich lokale Vorgaben entwickeln. In Städten mit strengeren Regeln kann die Nachfrage entsprechend schneller sinken als in Regionen ohne Einschränkungen.
Auch Wartung und Reparatur können aufwendiger werden, da mit zunehmender Technik auch die Anzahl potenzieller Fehlerquellen steigt. Je komplexer die Abgas- und Überwachungssysteme sind, desto mehr Bauteile müssen langfristig instand gehalten werden.
Ob du jetzt kaufen oder warten solltest, lässt sich nicht pauschal beantworten. Wenn du kurzfristig ein Fahrzeug brauchst, musst du keine sofortigen Einschränkungen befürchten. Wenn du hingegen langfristig planst und häufig in Innenstädten fährst, lohnt es sich, die Entwicklung vor Ort genau zu beobachten.
Hintergrund: Entwicklung der europäischen Abgasnormen
Die europäischen Abgasnormen gelten seit den frühen 1990er-Jahren. Mit der Norm Euro 1 führte die EU erstmals verbindliche Grenzwerte für Pkw ein. Damals standen vor allem Kohlenmonoxid und unverbrannte Kohlenwasserstoffe im Fokus.
Mit jeder weiteren Stufe – von Euro 2 über Euro 3 und Euro 4 bis hin zu Euro 5 – wurden die zulässigen Emissionen weiter gesenkt. Bei Dieselmotoren rückten dabei Feinstaub und Stickoxide zunehmend in den Mittelpunkt. Partikelfilter und verbesserte Katalysatoren wurden zum Standard.
Euro 6 zog die Grenzwerte erneut an und verschärfte die Prüfverfahren. Insbesondere Euro 6d reagierte auf die Kritik an den unrealistischen Laborwerten. Seitdem werden Emissionen stärker im realen Fahrbetrieb gemessen.
Doch selbst die Norm Euro 6 reicht heute vielen nicht mehr aus. Luftschadstoffe stehen nachweislich mit gesundheitlichen Problemen in Verbindung, vor allem in dicht besiedelten Städten. Gleichzeitig hat sich die Technik weiterentwickelt, sodass sich Lösungen, die früher als zu aufwendig galten, inzwischen breit einsetzen lassen.
Die Abgasnorm Euro 7 knüpft daran an. Sie ist kein Kurswechsel, sondern der nächste Schritt. Ziel ist es weiterhin, Emissionen zu senken und Fahrzeuge über ihre gesamte Lebensdauer sauberer zu halten.
