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Gebrauchtwagen in den USA kaufen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Evaldas Zabitis

Evaldas Zabitis

Ein Ford Mustang mit echtem V8, ein Pickup-Truck in einer Ausstattung, die es in Europa gar nicht gibt, oder ein Oldtimer zu einem Preis, der hierzulande kaum vorstellbar wäre – der amerikanische Automarkt zieht deutsche Käufer aus gutem Grund an. Muscle Cars, große SUVs und seltene Modelle findet man dort in einer Vielfalt, die den deutschen Markt alt aussehen lässt.

Der Kauf selbst ist machbar, aber er hat mehr Schritte als ein normaler Gebrauchtwagenkauf. Vom richtigen Verkäufer über Zoll und Verschiffung bis zur Einzelabnahme in Deutschland – wir führen dich in dieser Anleitung durch jeden Schritt, damit du weißt, worauf es ankommt, bevor du ein Auto in den USA verbindlich kaufst.

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Lohnt es sich, ein Auto aus den USA zu importieren?

Das kommt auf das Fahrzeug an. Bei Modellen, die es in Deutschland gar nicht oder nur in abgespeckten Varianten gibt, kann ein US-Import echten Sinn ergeben. Muscle Cars mit großvolumigen Motoren, Pickup-Trucks in Full-Size-Ausstattung, bestimmte SUV-Versionen oder Oldtimer werden auf dem amerikanischen Markt oft deutlich günstiger angeboten als hierzulande. Seltene Modelle gibt es dort in einer Auswahl, die auf dem europäischen Markt schlicht nicht existiert.

Bei günstigeren Fahrzeugen sieht die Rechnung anders aus. Verschiffung, Einfuhrzoll, Einfuhrumsatzsteuer und mögliche Umbaukosten für die StVZO-Zulassung summieren sich schnell auf 30 bis 50 % des Fahrzeugpreises. Ein gebrauchtes Auto aus den USA im mittleren Preissegment, das du auch in Deutschland kaufen könntest, wird durch den Import selten günstiger. Die Nachteile – Zollaufwand, Umbaukosten, lange Lieferzeiten – überwiegen dann schnell. Der Aufwand lohnt sich vor allem, wenn der Fahrzeugwert hoch genug ist oder das Modell auf dem deutschen Markt gar nicht verfügbar ist.

In unserem ausführlichen Artikel erläutern wir, was es beim Kauf eines Autos im Ausland und dessen Anmeldung in Deutschland zu beachten gibt.

💡 Pro-Tipp

Selbst eine sorgfältige Kalkulation im Vorfeld bleibt eine Schätzung. Unerwartete Schäden, zusätzliche Umbauanforderungen beim TÜV oder Verzögerungen beim Zoll können die tatsächlichen Kosten spürbar erhöhen. Plant deshalb immer einen Puffer von mindestens 10–15 % über eurer berechneten Gesamtsumme ein.

Schritt 1: Einen zuverlässigen Verkäufer finden

Du kaufst aus der Distanz – ohne die Möglichkeit, kurz vorbeizuschauen oder nachzufragen. Umso mehr hängt vom Verkäufer ab. Bevor du ein Angebot ernsthaft verfolgst, lohnt es sich, ein paar grundlegende Dinge zu prüfen.

Ein lizenzierter Händler mit DMV-Zulassung ist in der Regel die sicherere Wahl als ein Privatverkäufer. Händler unterliegen staatlichen Vorschriften und haben ein Interesse daran, Bewertungen sauber zu halten. Prüfe Rezensionen auf Google oder Yelp und schau, ob der Händler nachweislich Fahrzeuge ins Ausland verkauft hat.

Beim Fahrzeug selbst zählen fünf Punkte. Das Certificate of Title muss auf den Verkäufer ausgestellt sein und darf keinen Eintrag im Lienholder-Feld haben, denn ein eingetragenes Pfandrecht bedeutet, dass noch eine Bank oder ein Kreditgeber Rechte am Fahrzeug hat. Das Fahrzeug muss exportierbar sein und außerhalb der USA zum Verkauf stehen, sonst wird die Ausfuhr zum Problem.

Kilometerstand und Zustand müssen mit dem Inserat übereinstimmen, was du später durch einen Fahrzeughistorienbericht überprüfen kannst. Außerdem muss der Verkäufer bereit sein, einen Bill of Sale auszustellen, ohne dieses Dokument läuft beim deutschen Zoll nichts.

Gebrauchtwagenportale und Auktionsplattformen in den USA und Kanada

Beim Kauf über einen DMV-lizenzierten Händler hast du im Streitfall mehr Handhabe als beim Privatkauf. Privatverkäufer bieten manchmal günstigere Preise, das Risiko liegt dabei aber vollständig bei dir. Wenn du ein Auto in den USA oder Kanada kaufen möchtest, bieten sich für die Suche folgende Plattformen an:

  • Cars: Einer der bekanntesten Marktplätze in Nordamerika mit breitem Angebot von Händlern und Privatpersonen.
  • Autotrader: Großes Portal mit Millionen von Inseraten, gut geeignet für den direkten Händlervergleich.
  • AutoTrader Classics: Spezialisiert auf Oldtimer, Muscle Cars und Hot Rods.
  • CarGurus: Nützlich wegen integrierter Preisbewertung, zeigt an ob ein Angebot über oder unter Marktniveau liegt.
  • AutoTempest: Aggregiert Ergebnisse aus mehreren Portalen gleichzeitig, praktisch für eine breite Erstsuche.
  • Craigslist: Klassische Kleinanzeigenplattform mit lokalen Angeboten, überwiegend Privatverkäufer.
  • eBay Motors: Bietet Kauf- und Auktionsangebote, auch für den Export geeignet.
  • Copart: Weltweite Auktionsplattform für Gebraucht- und Unfallfahrzeuge.
  • IAAI: Spezialisiert auf Fahrzeuge mit Totalschaden oder hoher Laufleistung.

Copart und IAAI funktionieren anders als direkte Verkaufsplattformen. Du bietest blind, eine persönliche Besichtigung ist in der Regel nicht möglich, das Risiko ist daher höher. Ruf deshalb vor jedem Gebot einen Bericht zur Fahrzeughistorie ab.

Alles Wissenswerte zum Autokauf im Ausland und Anmeldung in Deutschland, erklären wir ausführlich in einem eigenen Ratgeber.

Schritt 2: Mit einem carVertical-Bericht die besten Optionen filtern

Wenn du ein gebrauchtes Auto in Deutschland kaufst, kannst du es besichtigen, Fragen stellen und notfalls einen Gutachter hinzuziehen. Beim US-Import fällt das alles weg. Du verlässt dich auf Fotos, die Angaben des Verkäufers und je nach Bundesstaat auf unterschiedlich strenge Offenlegungspflichten. Deshalb ist ein Bericht zur Fahrzeughistorie hier wichtiger als bei jedem Gebrauchtwagenkauf im Inland.

Bevor du ein Angebot ernsthaft verfolgst, ruf über die FIN-Nummer (Fahrzeug-Identifikationsnummer) einen carVertical-Bericht ab. Er greift auf über 900 Datenbanken zu, darunter US-Quellen die mit CARFAX verknüpft sind, und zeigt dir Unfallhistorie, Kilometerstände, Eigentümerwechsel sowie Schadenseinträge. Stimmen die Angaben des Verkäufers nicht mit dem Bericht überein, solltest du das Angebot nicht weiterverfolgen.

Auf diese Einträge kommt es an. Ein Salvage Title bedeutet, dass die Versicherung das Fahrzeug als Totalschaden eingestuft hat. Ein Rebuilt Title zeigt, dass es nach einem Totalschaden repariert und neu zugelassen wurde. Häufige Eigentümerwechsel in kurzen Zeitabständen können auf wiederkehrende Probleme hinweisen.

Ein auffällig niedriger Kilometerstand im Verhältnis zum Fahrzeugalter ist ein mögliches Zeichen für Tachomanipulation. Einträge zu Wasserschäden solltest du ebenfalls ernst nehmen, denn einen Hochwasserschaden am Auto erkennen ist schwieriger als gedacht, weil Folgeschäden oft erst Monate später auftreten.

💡 Pro-Tipp

Achte im carVertical-Bericht gezielt auf den Salvage- und Rebuilt-Title-Status. Ein Fahrzeug mit Salvage Title kann grundsätzlich nach Deutschland importiert werden, die Einzelabnahme wird dadurch aber deutlich schwieriger und eine Versicherung zu finden kann aufwendig sein.

Schritt 3: Kosten berechnen – was kostet der Import eines Autos aus den USA wirklich?

Der Kaufpreis ist nur der Anfang. Wer ein Auto aus den USA importiert, muss mehrere zusätzliche Kostenpositionen einplanen, die zusammen schnell 30 bis 50 % des Fahrzeugpreises ausmachen können. Wie hoch der Aufschlag tatsächlich ausfällt, hängt vom Modell, dem Ausgangsstandort in den USA und dem Umfang nötiger Umbauten ab. Um den Wert eines Gebrauchtwagens ermitteln zu können, lohnt es sich, alle Posten von Anfang an schriftlich aufzulisten.

Die wichtigsten Kostenpositionen im Überblick:

  • Auktions- oder Händlergebühren: Je nach Plattform fallen Käuferprämien und Bearbeitungsgebühren an, die nicht im Angebotspreis enthalten sind.
  • Verkaufssteuer (Sales Tax): In den meisten US-Bundesstaaten fällig, variiert zwischen 3 % und 13,5 %, kann bei Exporten aber je nach Bundesstaat und Händler entfallen. Montana, Delaware, Alaska, New Hampshire und Oregon erheben keine Sales Tax.
  • Transportkosten: Abhängig vom Abholort und der Verschiffungsmethode (Container oder RoRo). Fahrzeuge von der Westküste oder aus dem Landesinneren kosten mehr als solche von der Ostküste.
  • Einfuhrzoll: Für normale PKW 10 % des Fahrzeugwerts, für Wohnmobile und Pickups 22 %, für Motorräder bis 250 ccm 8 %, darüber 6 %.
  • Einfuhrumsatzsteuer: 19 % auf den Gesamtwert inklusive Transportkosten und Zoll. Oldtimer über 30 Jahre können unter bestimmten Voraussetzungen mit 7 % eingestuft werden, für Fahrzeuge vor Baujahr 1950 kann der Satz noch niedriger liegen.
  • Umbaukosten für die StVZO-Zulassung: Scheinwerfer, Blinker, Tacho und Abgasanlage müssen oft angepasst werden. Der Aufwand variiert je nach Modell stark.
  • Einzelabnahme und Zulassungsgebühren: Die Einzelabnahme nach § 21 StVZO ist Pflicht, hinzu kommen Gebühren für die Zulassungsstelle.

Schritt 4: Auto aus den USA importieren und verschiffen

Wenn Sie Ihr Wunschauto gefunden und gekauft haben, kommt der aufwendige Teil: das Auto aus den USA nach Deutschland zu importieren.

Die Verschiffung per Container ist zwar etwas teurer, dafür aber die sicherste Methode. Im Gegensatz dazu gibt es den sogenannten RoRo-Transport (Roll-on/Roll-off), der zwar etwas günstiger ist, aber das Auto während des Transports nicht so gut schützt wie der Versand im Container.

Für den Auto-Import aus den USA ist es zwingend erforderlich, das Auto vorher beim Zoll anzumelden. Dies kann über ein Zollportal oder über einen Zollagenten erfolgen.

Mit den Transportkosten und den Einfuhrabgaben kommen noch einmal rund ein Drittel des Nettopreises des Fahrzeugs hinzu. Die Einfuhrabgaben setzen sich aus dem Einfuhrzoll und der deutschen Einfuhrumsatzsteuer zusammen. Die Höhe der Einfuhrabgaben errechnet sich prozentual vom Fahrzeugwert wie folgt:

  • Neu- und Gebrauchtwagen: 10‑%
  • Wohnmobile und Pick-ups: 22‑%
  • Motorräder bis 250‑ccm: 8‑%
  • Motorräder über 250‑ccm: 6‑%

Bei der Einstufung eines Fahrzeugs als „Oldtimer“ (über 30‑Jahre alt) kann unter bestimmten Voraussetzungen eine ermäßigte Zoll- und Einfuhrumsatzsteuer von 7‑% gewährt werden. Für Fahrzeuge, die vor 1950 gebaut wurden, kann dieser Satz sogar noch niedriger sein.

Schritt 5: Zoll, Zulassung und Einzelabnahme in Deutschland

Wenn dein Auto im Hafen ankommt, beginnt der bürokratische Teil. Die Zollabfertigung erfolgt direkt am Ankunftshafen oder bei einem lokalen Zollamt. Du brauchst dafür den Kaufvertrag, das Certificate of Title und die Exportdokumente aus den USA. Nach der Abfertigung erhältst du eine Zollabfertigungsbescheinigung, ohne die du das Fahrzeug weder bewegen noch zulassen kannst.

Um das Auto vom Hafen wegzufahren, beantragst du ein Überführungskennzeichen bei der Zulassungsstelle, in der Praxis meist als Kurzzeitkennzeichen umgesetzt. Damit darfst du das Fahrzeug für einen begrenzten Zeitraum im Straßenverkehr bewegen, zugelassen ist es damit noch nicht. Wenn du das Verfahren ein Auto im Ausland zu kaufen und in Deutschland anzumelden noch nicht kennst, findest du in unserem ausführlichen Artikel eine detaillierte Übersicht über alle Behördenschritte.

Die Einzelabnahme nach § 21 StVZO ist der nächste Schritt. Ein TÜV- oder DEKRA-Prüfer prüft das Fahrzeug gegen deutsche Sicherheits-, Abgas- und Geräuschemissionsstandards. Bei US-Fahrzeugen sind Anpassungen häufig nötig, etwa an Scheinwerfern, Blinkern, Tachoanzeige oder Abgasanlage. Besteht das Fahrzeug die Prüfung nicht, müssen die Umbauten abgeschlossen und ein neuer Termin vereinbart werden. Das kann mehrere Wochen dauern. Plane diesen Puffer von Anfang an ein.

Nach bestandener Einzelabnahme kannst du das Auto in Deutschland ummelden und erhältst die deutschen Fahrzeugpapiere.

Dokumente, die du für die Zulassung brauchst:

  • Certificate of Title (Original)
  • Bill of Sale / Kaufvertrag
  • Zollabfertigungsbescheinigung
  • TÜV/DEKRA Einzelabnahme-Gutachten
  • Versicherungsbestätigung (eVB-Nummer)
  • Personalausweis oder Reisepass

Darf man US-Autos in Deutschland fahren?

Ja, amerikanische Fahrzeuge dürfen in Deutschland zugelassen und gefahren werden. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug die deutschen Zulassungsanforderungen erfüllt. Da US-Fahrzeuge für andere Märkte gebaut werden, entsprechen sie nicht automatisch den Vorgaben der StVZO oder EU-Normen, technische Anpassungen sind deshalb in fast allen Fällen nötig.

Typische Umbauten betreffen Scheinwerfer, Blinker, Tachoanzeige und Abgasanlage. Wie aufwendig das ist, hängt vom Modell ab. Danach muss das Fahrzeug eine Einzelabnahme nach § 21 StVZO bestehen, erst dann ist die Zulassung möglich. Mit dem richtigen Betrieb für die Umrüstung und etwas Vorlaufzeit steht das Fahrzeug am Ende legal zugelassen auf deutschen Straßen.

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Häufig gestellte Fragen

Evaldas Zabitis

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Evaldas Zabitis

Evaldas schreibt seit der weiterführenden Schule und hat eine Leidenschaft für Autos, schon seitdem er denken kann. Gleich nachdem er seinen Führerschein gemacht hatte, gab er all seine Ersparnisse für klapprige Autos aus, um sie zu reparieren, zu fahren und zu verkaufen. Evaldas ist immer an technischen Innovationen im Automobilbereich interessiert und nimmt aktiv an Diskussionen in der Automobilgemeinde teil.

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