08/01/2026
Schrottplatzreportagen: Ein BMW führt ein Doppelleben

Jedes Fahrzeug hat seine individuelle Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN), die man sich wie eine Art ID-Nummer für Kraftfahrzeuge vorstellen kann. So wie zwei Personen nicht dieselbe ID haben können, sollten auch zwei Autos nicht dieselbe FIN haben – es sei denn, jemand beschließt, auf ungewöhnliche Weise kreativ zu werden.
Doch kann ein Auto zwei Leben in zwei verschiedenen Ländern gleichzeitig führen? Was wie ein Plot aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist bei einem BMW X3 tatsächlich passiert.
Tauchen wir in diese seltsame Doppelgängergeschichte ein wenig tiefer ein.
Gebrauchtwagen haben dunkle Geheimnisse
Enthülle alle Daten! Gib einfach die FIN ein und klicke auf die Schaltfläche:
Kurzdossier
Täter: BMW X3
Baujahr: 2006
Schadensmeldungen: 5
Eingetragene Länder: 4
Zugelassen in: Ungarn und Litauen
Ein Lebenslauf mit Widersprüchen
Der BMW X3 ist ein kompakter Luxus-SUV und bei Gebrauchtwagenkäufern recht beliebt. Der Held unserer Geschichte war eigentlich ein ganz normales Auto – er fuhr durch ein paar Länder, sammelte ein paar Schrammen und führte im Großen und Ganzen das Leben eines durchschnittlichen SUV.
Doch 2013 nahm die Geschichte eine kuriose Wendung. Der X3 hatte nicht nur einen zweiten Frühling, er bekam sogar ein zweites Leben.
2013 taucht das Auto bei einer Inspektion in Litauen auf. Einige Monate später wird es in Ungarn erwähnt. Dann wieder in Litauen. Dann wieder in Ungarn. Und dieser Tanz geht bis heute so weiter, wie du im Berichtsabschnitt „Zeitachse“ sehen kannst.
Der Verlauf zeigt ein verdächtig ordentliches Muster – der BMW wird wie ein Uhrwerk alle zwei Jahre einer technischen Inspektion unterzogen. Der Clou? Er erfüllt diese Pflicht sowohl in Litauen als auch in Ungarn.
Und der Abschnitt „Kilometerstand“? Auf den ersten Blick wirkt das Ganze ziemlich chaotisch und voller scheinbarer Tachomanipulationen. Aber das sind keine echten Rückstellungen, sondern Aufzeichnungen von zwei verschiedenen Autos, die in ihrem jeweiligen Land Inspektionen durchlaufen haben.
FIN-Klonen: eine FIN, zwei Autos
So wie der Identitätsdiebstahl von Personen möglich ist, so kann auch die Identität eines Autos gestohlen werden. Betrüger kopieren die Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN) von einem zugelassenen, unbeschädigten Fahrzeug und bringen sie an einem gestohlenen Auto oder Unfallwagen an, das dadurch quasi ein zweites Leben erhält – und einen lupenreinen (wenn auch gefälschten) Pass.
Mit dieser falschen Identität kann das geklonte Auto versichert, zugelassen und an einen ahnungslosen Käufer weiterverkauft werden, der annimmt, das Original zu erwerben.
Trickbetrüger sind akribisch: Sie suchen sich einen passenden Spender, der dem Originalmodell, der Farbe und sogar den technischen Spezifikationen entspricht, sodass nichts auffällt. Bei unserem X3 ist es beinahe unmöglich zu sagen, welches das echte Auto ist – das litauische oder das ungarische. Wir können nur vermuten, dass eines der beiden gestohlen wurde oder schwerwiegende Probleme hatte, die den Aufwand einer Identitätsänderung „rechtfertigte“.
So schützt du dich vor Gebrauchtwagenbetrug durch FIN-Klonen
FIN-Klone zu erkennen ist ein wenig wie eine Designer-Fälschung zu identifizieren – von Weitem sieht alles perfekt aus, bis man sich die Nähte aus der Nähe sieht. Deshalb solltest du immer auch auf Identitätsfälschungen achten, damit du nicht versehentlich ein verunfalltes oder gestohlenes Auto kaufst. So vermeidest du diese Form des Gebrauchtwagenbetrugs und minimierst das Risiko, einen Klon zu erwerben:
- Prüfe zuerst die FIN an allen Stellen des Fahrzeugs, an denen sie zu finden sein sollte: auf dem Armaturenbrett, am Türrahmen, im Motorraum und in den Papieren. Wenn eine FIN flüchtig eingraviert ist, unterschiedliche Schriftarten verwendet wurden oder die Befestigungsnieten verdächtig glänzen, solltest du lieber die Finger von dem Fahrzeug lassen.
- Schau dir den Fahrzeugbericht an. Ein guter Bericht lügt nicht – er zeigt Diebstähle, abnormale Kilometerstände, plötzliche Zulassungsänderungen oder zurückliegende Unfallschäden und erleichtert es dir so, Unfallwagen zu erkennen. Entspricht der Bericht nicht der rosigen Geschichte des Verkäufers, solltest du vom Geschäft Abstand nehmen.
- Vergewissere dich, dass der Verkäufer wirklich der ist, für den er sich ausgibt. Der Name auf den Papieren sollte mit dem Namen der Person übereinstimmen, die dir die Schlüssel übergibt. Und wenn er auf eine Barzahlung hinter einem Supermarkt besteht, dann herzlichen Glückwunsch – du bist an jemanden geraten, von dem du auf keinen Fall ein Auto kaufen solltest.
- Halt dich von dubiosen Geschäften fern. Ein Preis, der „zu gut, um wahr zu sein“ ist, ist es in der Regel auch. Autos mit gefälschter FIN werden oft günstiger verkauft, um Käufer zu ködern, die angesichts eines lockenden Superdeals ihre Sorgfaltspflicht vernachlässigen. Falle nicht auf diese Rabattfalle herein.
- Hol dir einen Kfz-Mechaniker oder Experten dazu. Die wissen genau, wo Betrüger gerne sparen, und erkennen eine gefälschte Fahrgestellnummer schneller, als du „Identitätsdiebstahl“ sagen kannst.
Mit all diesen Tipps bist du bestens gerüstet, um Autos mit gefälschter FIN zu entgehen. Trotzdem werden Betrüger jedes Jahr kreativer. Deshalb sind gesunder Menschenverstand und Umsicht immer noch die besten Begleiter eines jeden Gebrauchtwagenkäufers – egal, wie schick das Auto von außen aussehen mag.
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