Recherche: Welche Länder haben den höchsten Prozentsatz an Autos mit manipuliertem Kilometerstand? 

Februar 1, 2022
by Tadas Švenčionis
Februar 1, 2022

Statistiken zeigen, dass wir durchschnittlich drei bis fünf Jahre lang das gleiche Auto fahren. Dies bedeutet wiederum, dass sich innerhalb eines Jahrzehnts, zwei- bis dreimal die Möglichkeit für Betrüger bietet, uns beim Autokauf zu hintergehen. Aber wie riskant ist es heutzutage wirklich, ein gebrauchtes Auto zu erwerben?

Wie sich herausgestellt hat, hängt diese Antwort stark vom jeweiligen Herkunftsland ab. 

Zu Beginn des Jahres haben wir uns dazu entschieden, herausfinden zu wollen, wie die Anzahl der Manipulationen am Kilometerstand in Abhängigkeit des jeweiligen Herkunftsland schwankt. Unsere Untersuchungen bezieht sich auf Daten von rund 900.000 Autohistorien, welche im Verlauf von 2021 erstellt wurden. 

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu unseren Recherchen und wir geben Ihnen  wichtige Tipps mit an die Hand, wie Sie einen manipulierten Tacho vorm Kauf Ihres nächsten Gebrauchtwagens erkennen.

Zentral- und Osteuropa am häufigsten vom Kilometerstandbetrug betroffen 

Falle von manipulierten Autos nach Landern

Speziell die baltischen Länder gelten als Brennpunkt unserer Nachforschungen.

Lettland steht an erster Selle, über 24% der geprüften Fahrzeugen weißen hier Manipulationen am Kilometerstand auf. Estland und Litauen sind nur knapp dahinter und belegen den dritten und vierten Platz.

Jedoch bilden die baltischen Länder nur einen kleinen Teil des gesamten Marktes ab. Möchte man hingegen die Gesamtzahl der manipulierten Fahrzeuge betrachten, ist es notwendig, sich sowohl die östlich, als auch weiter südlich gelegenen Länder, wie Rumänien (2. Platz) mit 20% an Manipulationen oder ebenso Russland und die Ukraine, anzuschauen. 

Polen (12%) und Ungarn (14%) zählen ebenfalls dazu. Wohingegen die Tschechische Republik, die Slowakei, Slovenien und Kroatien, sowie Serbien wiederum nur 10% aller manipulierten Fahrzeuge ausmachen. 

In Westeuropa spielt diese Problematik keine so schwerwiegende Rolle. Hintergrund hierzu ist, dass in diesen Ländern vermehrt Neuwagen gekauft werden. Aber dennoch auch im Westen Europas kommt es häufiger zu Manipulationen am Kilometerstand, als man zunächst annehmen würde. 

Welchen Schaden verursachen manipulierte Kilometerstände?

Mögen die Hintergründe für manipulierte Kilometerstände oft im Stillen verborgen liegen, verursachen sie dennoch einen massiven wirtschaftlichen Schaden. Laut den Daten der Europäischen Kommission entsteht jährlich ein Schaden von rund 9,6 Milliarden Euro durch diese Art von Manipulationen. 

Viele der manipulierten Fahrzeuge kommen dabei zunächst aus westeuropäischen Märkten, wie Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden oder auch Italien. Bei 30 bis 50 % der grenzüberschreitenden Gebrauchtwagenverkäufe liegt nachweislich ein Kilometerbetrug zur Grunde. 

Auch wenn der wirtschaftliche Schaden rein rechnerisch nur schwer nachzuvollziehen ist, bleibt das Vorgehen dennoch stets das Selbe: 

  • Beim Gebrauchtwagenkauf zahlt man in der Regel rund 25% zu viel
  • Nachträglich fallen wiederum häufigere Reparaturkosten an 
  • Und schlussendlich wird man das Fahrzeug nur sehr schwer wieder los 

So lassen sich Fahrzeuge mit einem manipulierten Kilometerstand vermeiden

Leide besteht auch weiterhin im Jahr 2022 und vermutlich auch darüber hinaus, nur wenig Hoffnung, dass dem Betrug am Kilometerstand ein Ende gesetzt werden kann. Eine strafrechtliche Verfolgung für etwaige Betrüger ist nur bedingt möglich. Meist sind die Täter nur sehr schwer ausfindig zu machen und zudem ist die Gesetzgebung in einigen Ländern nicht immer eindeutig. 

Auch hier zeigt sich wieder ein Diskrepanz zwischen West- und Osteuropa. Scheint eine strafrechtliche Verfolgung in Westeuropa leichter durchgesetzt werden zu können, scheint die Tragweite der Problematik bei den osteuropäischen Behörden bei Weitem noch nicht angekommen zu sein. 

Käufer sollten daher vor Kauf eines Gebrauchtwagens unbedingt die Fahrzeughistorie prüfen lassen. Mit Hilfe der VIN Nummer lässt sich die Veränderung des Kilometerstandes über die Zeit hinweg nachverfolgen. Eine eingehende Analyse der Veränderungen hilft es Betrügereien zu vermeiden und ausschließlich Fahrzeuge ohne manipulierten Kilometerstand für den Kauf auszuwählen.

Angesichts des aktuell anhaltenden Chipmangels am Fahrzeugmarkt, wird sich die angespannte Situation am Gebrauchtwagenmarkt weiter aufheizen und vorerst nicht entspannen. Dies wird wiederum Betrüger in die Versuchung führen, daher sollte man beim Kauf auf alle Tricks, Täuschungen und Manipulationen vorbereitet sein.