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Probefahrt-Checkliste: Was 90 % der Käufer vergessen

Omid Mouazzen

Omid Mouazzen

Als Autohändler mit über 20 Jahren Erfahrung habe ich mehr Gebrauchtwagen verkauft, als ich zählen kann. Die meisten Fehler beim Gebrauchtwagenkauf passieren nicht aus Unwissenheit. Sie passieren, weil man glaubt, alles im Griff zu haben.

Ich erinnere mich an einen Kunden, der mir stolz erzählt hat, er habe das Auto gründlich geprüft. Probefahrt gemacht, unter die Motorhaube geschaut, den TÜV gecheckt. Dann hat er unterschrieben. Erst zuhause fiel ihm auf, dass der Fahrersitz nicht weit genug nach hinten verstellt werden konnte – für jemanden mit 1,90 Metern keine Seltenheit. Nicht reparierbar, nicht verhandelbar. Einfach vergessen.

Das ist kein Einzelfall. Die Probefahrt-Checkliste, die ich dir hier mitgebe, deckt genau die Punkte ab, die selbst gut vorbereitete Käufer regelmäßig übersehen. Nicht die offensichtlichen Dinge – die kennt fast jeder –, sondern die, die erst im Nachhinein wehtun.

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Warum wichtige Checks beim Autokauf oft vergessen werden

Du hast dir zuhause eine Liste gemacht. Alles drauf, was du prüfen wolltest. Und dann stehst du vor dem Auto und plötzlich läuft vieles anders als geplant.

Der Verkäufer redet, erklärt, zeigt. Das Auto sieht besser aus als auf den Fotos. Du steigst ein, der Motor läuft ruhig, das Leder riecht gut. Irgendwo in diesem Moment fängt die Liste an zu verblassen.

Das ist keine Schwäche. Das ist menschlich. Eine Probefahrt ist eine Situation mit vielen Reizen gleichzeitig: ein fremdes Fahrzeug, ein unbekannter Mensch gegenüber, Zeitdruck, der oft vom Verkäufer ausgeht. Dazu kommt die schiere Menge an Dingen, die man eigentlich prüfen müsste.

Ich sehe das immer wieder. Käufer entdecken beim Besichtigen einen Kratzer oder eine komische Stelle am Unterboden – und sind ab diesem Moment nur noch damit beschäftigt. Der Rest der Checkliste bleibt liegen.

Genau deshalb hilft eine strukturierte Liste nicht allein. Du brauchst auch das Wissen, worauf es wirklich ankommt und warum manche Dinge so leicht durchs Raster fallen.

Wichtige Dinge, die bei einer Probefahrt oft übersehen werden

Die meisten kennen die Grundlagen, worauf man bei einer Probefahrt achten sollte: Die Gänge müssen sauber schalten, das Auto darf nicht ziehen oder vibrieren, ungewöhnliche Geräusche beim Fahren und Gerüche sind Warnsignale. Trotzdem gibt es Punkte, die selbst aufmerksame Leute beim Gebrauchtwagenkauf regelmäßig vergessen. Die folgenden gehören dazu.

Plane einen Kaltstart ein

Ruf den Verkäufer vorher an und bitte ihn, das Auto vor deiner Ankunft nicht zu starten. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist es aber nicht.

Ein kalter Motor zeigt Dinge, die ein warmer verbirgt. Springt das Auto zögerlich an, läuft der Leerlauf unruhig oder sind in den ersten Minuten Klopf- oder Rasselgeräusche zu hören, können das Hinweise auf Probleme mit Batterie, Anlasser oder Motor sein. Auch ungewöhnlicher Rauch direkt beim Start lässt sich besser beurteilen, bevor der Motor Betriebstemperatur erreicht hat. Ist die Motorhaube beim Ankommen schon warm, war das Auto bereits in Betrieb. Frag nach warum.

Prüfe, ob du wirklich bequem sitzt

Bevor du losfährst, nimm dir zwei Minuten für den Sitz. Nicht fürs Gefühl, sondern für die Fakten: Wie weit lässt sich der Sitz verschieben? Wie hoch sitzt du? Lässt sich das Lenkrad in Höhe und Tiefe verstellen?

Das wird oft übersprungen. Die Sitzposition gehört zu den wenigen Dingen am Auto, die sich nicht nachrüsten lassen. Was die Serienausstattung hergibt, ist das Maximum. Passt das nicht zu dir, passt das Auto nicht zu dir.

💡 Mein Tipp

Wenn das Auto regelmäßig von mehreren Personen gefahren wird, sollte jeder kurz hinter das Steuer. Eine bequeme Position für alle ist keine Selbstverständlichkeit.

Fehlen Kontrollleuchten im Cockpit?

Wenn du den Zündschlüssel umdrehst oder den Startknopf drückst, leuchten für ein paar Sekunden alle Warnleuchten auf. Das ist kein Fehler, sondern ein Selbsttest des Fahrzeugs. Öldruck, Motormanagement, ABS und Airbag sollten nacheinander kurz aufleuchten und dann erlöschen.

Fehlt eine dieser Leuchten, kann die Glühbirne defekt sein. Häufiger steckt aber etwas anderes dahinter: Manche Verkäufer entfernen einzelne Lämpchen, damit ein Problem nicht auffällt. Ein alter Trick – und ein klares Warnsignal.

Achte auf die Motortemperatur

Eine kurze Runde reicht nicht. Du brauchst mindestens 30 Minuten Fahrt, damit der Motor richtig warm wird und du sehen kannst, wie er sich dabei verhält.

Die Kühlwassertemperatur sollte sich bei etwa 90 °C einpendeln und dort stabil bleiben. Steigt sie weiter oder schwankt sie stark, kann das auf ein Problem mit Thermostat, Wasserpumpe oder Kühler hinweisen. Solche Reparaturen sind nicht günstig und zeigen sich fast nur beim Warmlaufen.

Teste das Auto in der Stadt, auf der Autobahn und auf SchotterDrei

Bedingungen, keine Empfehlung. Lässt du eine davon weg, verpasst du möglicherweise genau das Problem, das das Auto hat.

Im Stadtverkehr hörst du Geräusche beim Fahren, die bei höherer Geschwindigkeit untergehen: Poltern aus dem Fahrwerk beim Überfahren von Bodenschwellen, Quietschen beim Einlenken, Knacken beim Anfahren. Auf der Autobahn zeigt sich, ob das Auto bei 130 km/h ruhig läuft oder ob Vibrationen im Lenkrad auftreten. Letzteres kann auf Unwucht, Reifenschäden oder Spurprobleme hindeuten. Auf Schotter oder schlechtem Untergrund werden lose Teile, Fahrwerksspiele und undichte Stellen sichtbar, die auf glattem Asphalt nicht zu erkennen sind.

Beobachte den Auspuffrauch

Wirf beim Fahren ab und zu einen Blick in den Rückspiegel. An kalten Morgen kann ein frisch gestartetes Auto für kurze Zeit weißlichen Dampf produzieren. Das ist kondensiertes Wasser und völlig harmlos. Sobald der Motor warm ist, sollte nichts mehr aus dem Auspuff zu sehen sein.

Ist das nicht der Fall, sagt die Farbe des Rauchs einiges über die Ursache:

  • Weißer Rauch: Kühlmittel verbrennt im Verbrennungsraum. Der Rauch ist dicht, bleibt kompakt und verteilt sich kaum. Manche nehmen dabei einen leicht süßlichen Geschmack oder Geruch wahr. Häufige Ursachen sind eine defekte Zylinderkopfdichtung, ein beschädigter Zylinderblock oder ein beschädigter Zylinderkopf.
  • Blauer Rauch: Öl verbrennt im Verbrennungsraum. Der Rauch riecht nach verbranntem Öl – ein Geruch, der sich schwer mit etwas anderem verwechseln lässt. Er wird dichter, je wärmer der Motor wird. Häufige Ursachen sind verschlissene Kolbenringe, Ventilschaftdichtungen oder ein defekter Turbolader.
  • Schwarzer Rauch: Der Motor verbrennt zu viel Kraftstoff. Verkohlte Kraftstofftropfen gelangen dabei in den Abgasstrom – der Geruch ist intensiv und typisch nach Benzin oder Diesel. In manchen Fällen handelt es sich lediglich um Rußpartikel, die nach ein paar kräftigen Gasstößen verschwinden. Bleibt der Rauch, deutet das auf defekte Kraftstoffinjektoren, verstopfte Filter, fehlerhafte Abgassysteme oder defekte Sensoren hin.

Ist die Windschutzscheibe wirklich klar

Das ist einer der am seltensten geprüften Punkte und kann schnell teuer werden.

Eine Windschutzscheibe muss nicht gerissen sein, um ein Problem zu sein. Feine Kratzer vom Scheibenwischer, eingeschlagene Steinchips oder eine milchige Oberfläche trüben die Sicht, besonders bei Gegenlicht oder Regen. Bei modernen Fahrzeugen kommt hinzu, dass Kameras, Regensensoren und Fahrassistenzsysteme in die Scheibe integriert sind. Ein Austausch kostet dann schnell über 1.000 Euro.

Schau dir die Scheibe von innen und außen an, am besten im schrägen Licht.

Ist das Auto versichert

Kurz und knapp: Du darfst ein Fahrzeug nur auf öffentlichen Straßen bewegen, wenn es zugelassen und haftpflichtversichert ist. Beim Händler ist das in der Regel gegeben. Bei Privatverkäufern solltest du das vorher klären und dir schriftlich bestätigen lassen, dass die Versicherung Probefahrten durch Dritte abdeckt.

Weitere Dinge, die beim Gebrauchtwagenkauf oft vergessen werden

Diese Punkte stehen in keiner Standardcheckliste – dabei gehören sie zur Besichtigung dazu.

  • Reifenalter: Reifen altern auch ohne viel Laufleistung. Nach fünf bis sechs Jahren wird das Gummi spröde, die Haftung lässt nach. Das Herstellungsdatum ist als vierstellige Zahl auf der Reifenflanke angegeben: Die ersten beiden Ziffern stehen für die Kalenderwoche, die letzten beiden für das Jahr. Ein neuer Reifensatz kostet schnell 800 bis 1.000 Euro, deshalb lohnt es sich, das Alter zu prüfen, nicht nur den Profilzustand.
  • Reifenmodelle: Unterschiedliche Reifen auf den beiden Achsen sind grundsätzlich zulässig, können aber darauf hinweisen, dass der Vorbesitzer beim Reifenkauf gespart und nicht alle auf einmal ersetzt hat. Vier verschiedene Reifen an vier verschiedenen Rädern ist dagegen ein ernstes Warnsignal – und im Grunde ein Sicherheitsproblem.
  • Schlüssel für die Sicherungsmutter: Viele Fahrzeuge haben eine Radmutter mit speziellem Profil als Diebstahlschutz. Fehlt der passende Adapter, kommst du bei einem Reifenwechsel nicht weiter. Frag vor Ort danach. Wenn er nicht auffindbar ist, wird es teuer.
  • Radiocode: Nach einem Batteriewechsel sperrt sich das Radio. Der Code steht meist im Bordbuch oder auf einer Karte im Handschuhfach. Wenn er fehlt, ist das zwar nur eine Kleinigkeit, aber eine, die nervt.
  • Leckagen nach der Probefahrt: Stell das Auto nach der Fahrt kurz auf einen sauberen Untergrund und schau nach zehn Minuten darunter. Öl-, Kühlmittel- oder Getriebeöltropfen sind dann leichter zu erkennen als vor der Fahrt, wenn alles noch kalt und trocken ist.
  • Farbe des Kühlmittels: Das Kühlmittel sollte je nach Typ grün, blau, rot oder lila sein. Ist es braun oder schlammig, wurde das Kühlsystem lange nicht gewartet. Das kann auf Korrosion im Kühler oder Motorblock hinweisen – eine Reinigung ist dann oft unausweichlich.
  • Kofferraumboden und Reserveradmulde: Hebe den Kofferraumboden an und schau darunter. Rund um das Reserverad und unter dem Werkzeugfach sammelt sich Wasser, wenn Dichtungen am Kofferraum, den Rückleuchten oder den Fenstern undicht sind. Feuchte Stellen dort können auch auf einen Totalschaden durch Hochwasser hinweisen.
  • Fahrzeugdokumente: Zur Pflichtausstattung gehören Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) und Teil II (Fahrzeugbrief), Hauptuntersuchungsnachweis sowie Serviceheft oder Wartungsbelege. Wer das Fahrzeug anschließend in Deutschland anmelden möchte, findet dort alle nötigen Unterlagen.

Alles auf dieser Checkliste kann ein normaler Käufer selbst prüfen. Trotzdem empfehle ich jedem, den Gebrauchtwagen vor dem Kauf von einem unabhängigen Mechaniker durchchecken zu lassen. Ein geschultes Auge sieht Dinge, die einem Laien entgehen. Die Kosten für eine Werkstattinspektion sind gering im Vergleich zu dem, was eine übersehene Reparatur später kostet.

Eine Fahrzeughistorie sollte nie fehlen

Ich sage das aus Überzeugung: Ein Bericht zur Fahrzeughistorie zeigt, was sich am Auto nicht von außen ablesen lässt – Unfallschäden, die Kilometerstandentwicklung über die Jahre, Überflutungsereignisse, Halterwechsel und Länderwechsel.

Das sind keine exotischen Einzelfälle. Das sind Dinge, die bei einem erheblichen Teil der geprüften Gebrauchtwagen auftauchen. Und selbst eine tadellose Probefahrt und ein guter Mechaniker schützen nicht vor allem.

Ich erinnere mich an einen Fall aus unseren Schrottplatzreportagen. Ein Fahrzeug, das auf den ersten Blick ordentlich aussah: gepflegter Lack, niedriger Kilometerstand, guter Preis. Was sich erst durch den Bericht herausstellte: Das Auto war ein ehemaliges Taxi, komplett umlackiert, mit manipuliertem Tachostand.

Nichts davon wäre bei einer Sichtprüfung aufgefallen. Kein Mechaniker hätte es zwingend entdeckt. Nur die Daten haben es gezeigt. Genau dafür ist der Bericht da.

Hol dir diese Gebrauchtwagen-Checkliste für die Besichtigung

Damit bei der Besichtigung nichts durchrutscht, haben wir eine Gebrauchtwagen-Checkliste zusammengestellt, die alle wichtigen Prüfpunkte abdeckt – von der Karosserie über den Motorraum bis zu den Dokumenten. Sie enthält jetzt auch einen eigenen Abschnitt für die Probefahrt.

Gebrauchtwagenkauf-Checkliste (PDF)

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Druck sie aus, nimm sie mit und hak die Punkte vor Ort ab.

Profi-Tipp: Gute Vorbereitung hilft gegen Fehlentscheidungen

In meiner Zeit im Autohandel habe ich hunderte Käufer erlebt und war selbst oft genug in dieser Situation. Eines fällt mir dabei immer wieder auf: Je aufgeregter jemand ist, desto schlechter werden die Entscheidungen.

Das ist keine Kritik. Freude an einem Auto ist nichts Schlechtes. Aber Begeisterung und Sorgfalt vertragen sich schlecht, wenn man beides gleichzeitig versucht.

Wer vor der Besichtigung weiß, worauf er achten muss, ist klar im Vorteil. Nicht weil er dann kühler ist, sondern weil er nicht im Kopf suchen muss, während er gleichzeitig fährt, zuhört und den Verkäufer einschätzt. Eine ausgedruckte Checkliste nimmt dir diese Arbeit ab. Du schaust drauf, hakst ab, weiter. Klingt simpel. Macht aber einen echten Unterschied.

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Häufig gestellte Fragen

Omid Mouazzen

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Omid Mouazzen

Omid Mouazzen ist der Experte für carVertical in Deutschland. Der Unternehmer ist ausgewiesener Automobilkenner mit über 20 Jahren Erfahrung im Autohandel und zählt zu den einflussreichsten Content Creatoren der Branche. Sein Weg in die Autowelt begann vor mehr als zwei Jahrzehnten als er parallel zu seinem Studium begann, mit Fahrzeugen zu handeln. Daraus wurde eine Leidenschaft: Im Laufe der Jahre baute er einen der größten und renommiertesten Luxussportwagenhändler Europas auf und erlangte so ein tiefes, praxisnahes Verständnis der Branche.

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