16/10/2025
Was du tun kannst, wenn dir ein Autohändler in Deutschland ein fehlerhaftes Auto verkauft hat

Ein Auto ist eine teure Investition. Entdeckt man dann an seinem frisch erworbenen Gebrauchtwagen Mängel, kann das extrem frustrierend sein. In Deutschland hast du Rechte, die deine Interessen in solchen Situationen schützen sollen. Du kannst sie aber nur dann optimal durchsetzen, wenn du die rechtlichen Grundlagen kennst.
In diesem Beitrag erfährst du, welche Rechte du hast, wenn dir ein Händler ein mangelhaftes Auto verkauft und was du tun kannst, um das Problem effizient zu lösen.
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Welche Rechte habe ich beim Kauf eines Gebrauchtwagens von einem Autohändler?
Nach dem Verbraucherrecht gilt ein Auto wie jeder andere physische Gegenstand als „Ware“. Es gelten also beim Kauf eines gebrauchten Autos grundsätzlich die gleichen Rechte wie beim Kauf eines Fernsehers oder Kühlschranks. In Deutschland schützt dich dabei besonders das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), speziell § 434 BGB Sachmangel.
Hiernach muss die Ware bestimmte Voraussetzungen erfüllen:
- Es muss die vereinbarte Beschaffenheit habenDas Auto sollte genau dem entsprechen, was im Kaufvertrag steht (z. B. Baujahr, Kilometerstand, Unfallfreiheit).
- Es muss sich für den bestimmungsgemäßen Gebrauch eignenDu solltest es im Alltag normal nutzen können (es sollte anspringen, sicher fahren, keine versteckten Mängel haben usw.).
- Es muss der Beschreibung entsprechenAlles, was im Inserat oder im Gespräch vom Verkäufer versprochen wurde, muss auch zutreffen.
- Es muss frei von Sachmängeln seinAlso keine technischen Defekte oder versteckte Schäden, die nicht offen kommuniziert wurden.
Wenn du den Gebrauchtwagen über eine Finanzierung gekauft hast, hast du zusätzlich Schutz durch das Verbraucherdarlehensrecht (§§ 491 ff. BGB). Das bedeutet: Stellt sich der Pkw als mangelhaft heraus, kannst du ggf. auch Ansprüche gegenüber der finanzierenden Bank geltend machen – zum Beispiel auf Rückabwicklung des Vertrags.
Was muss ich tun, wenn ich vermute, dass ein Auto defekt ist?
Wenn du den Verdacht hast, dass mit deinem gekauften Auto etwas nicht stimmt, solltest du schnell und systematisch vorgehen. Das sind die ersten Schritte:
- Beweise sichern: Mach Fotos oder Videos vom Mangel (z. B. Rost, Motorprobleme, Fehlermeldungen im Display).
- Kaufunterlagen sammeln: Halte den Kaufvertrag, Rechnungen, Übergabeprotokolle und ggf. E-Mail-Verläufe mit dem Verkäufer bereit.
- Gutachten einholen: Lass den Wagen von einer Werkstatt oder einem unabhängigen Sachverständigen prüfen, um den Mangel schriftlich bestätigen zu lassen.
- Kaufvertrag prüfen: Schau dir genau an, ob es eine Garantie oder Gewährleistung gibt und welche Rückgabe- oder Reparaturbedingungen vereinbart wurden.
Sobald du alles zusammen hast, solltest du den Händler oder Verkäufer so schnell wie möglich kontaktieren, ihm den Mangel schildern und eine Frist zur Nachbesserung setzen. Nur so sicherst du deine Rechte – je früher, desto besser.
Fristen: Wie viel Zeit hast du, um deine Ansprüche geltend zu machen?
Das BGB regelt klar, wie lange du nach dem Autokauf Zeit hast, um Mängel zu reklamieren. Dabei kommt es auf den Zeitpunkt an, wann der Mangel aufgetreten ist und wie schnell du darauf reagierst. Hier sind die wichtigsten Fristen im Überblick:
Sofortige Reaktion bei offensichtlichen Mängeln
Wenn dir der Mangel sofort auffällt (offener Mangel), solltest du ihn so schnell wie möglich melden – am besten innerhalb von wenigen Tagen. Zwar gibt es dafür keine exakt definierte Frist im BGB, aber eine verspätete Anzeige kann dir negativ ausgelegt werden, besonders wenn der Verkäufer gewerblich handelt.
Bis zu 12 Monate nach dem Kauf
Seit dem 01.01.2022 gilt: Die Beweislastumkehr zugunsten von Verbrauchern wurde auf 12 Monate verlängert (§ 477 BGB). Das bedeutet: Innerhalb eines Jahres nach Übergabe des Fahrzeugs wird gesetzlich vermutet, dass ein auftretender Mangel bereits bei der Übergabe vorlag. Der Händler muss also beweisen, dass der Mangel nicht schon beim Kauf vorhanden war. Für dich als Käufer bedeutet das eine deutlich stärkere Position.
Voraussetzung ist, dass du das Auto von einem Unternehmer gekauft hast (also bei einem gewerblichen Händler). Bei Privatkäufen gilt diese Regelung nicht.
Nach 12 Monaten bis zu 2 Jahren
Nach Ablauf der zwölf Monate kehrt sich die Beweislast um: Jetzt musst du als Käufer beweisen, dass der Mangel schon beim Kauf bestand. Das ist schwieriger, aber mit einem Sachverständigengutachten oder technischen Nachweisen oft dennoch möglich.
Die gesetzliche Gewährleistungsfrist beträgt grundsätzlich 2 Jahre (§ 438 BGB) – bei Gebrauchtwagen kann sie im Vertrag auf 1 Jahr verkürzt werden, sofern es sich um einen Kauf zwischen Unternehmer und Verbraucher handelt.
Je früher du Mängel meldest, desto besser. Besonders in den ersten 12 Monaten hast du als Käufer gegenüber gewerblichen Händlern eine starke rechtliche Position, weil sie beweisen müssen, dass das Auto beim Kauf mangelfrei war.
Ist der Händler verpflichtet, alle Reklamationen eines Käufers zu beseitigen?
Der Händler muss nicht automatisch jeden Mangel akzeptieren oder beheben. Es kommt darauf an, ob es sich tatsächlich um einen Sachmangel im rechtlichen Sinne handelt, der schon bei Übergabe des Fahrzeugs bestanden hat (§ 434 BGB).
Ist die Reklamation des Käufers berechtigt, weil der erhebliche Mangel schon vor der Fahrzeugübergabe bestand und er ihn rechtzeitig gemeldet hat, ist der Händler gesetzlich verpflichtet, den Mangel zu beheben. Dies kann durch Reparatur, Ersatz oder Erstattung des Kaufpreises geschehen. Reklamationen, die auf unsachgemäßen Gebrauch, normale Verschleißerscheinungen oder Probleme zurückzuführen sind, die zum Zeitpunkt des Kaufs bekannt waren, werden dagegen meist nicht anerkannt. In diesen Fällen ist der Händler nicht verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen.Dabei ist zu beachten: Seit 2022 reicht es beim Autokauf nicht mehr aus, dass nur die individuell vereinbarte Beschaffenheit erfüllt ist – das Fahrzeug muss zusätzlich auch objektiven Mindestanforderungen genügen. Ein junger Gebrauchtwagen mit vielen Kratzern kann daher trotz Vereinbarung als mangelhaft gelten, wenn sein Zustand nicht dem üblichen Standard vergleichbarer Fahrzeuge entspricht.
Generell hat der gewerbliche Verkäufer das Recht auf Nachbesserung. Erst wenn er nach zwei Versuchen den Mangel nicht beheben konnte, kannst du vom Kauf zurücktreten oder eine Kaufpreisminderung fordern, falls du das Auto trotz des Mangels behalten willst.
Rückgabe eines finanzierten Autos aufgrund von Mängeln
Wenn du ein Auto über eine Finanzierung gekauft hast (einen Autokredit oder ein Leasing mit Kaufoption), hast du in Deutschland zusätzlichen rechtlichen Schutz, denn hier greift nicht nur das Kaufrecht, sondern auch das Verbraucherdarlehensrecht (§§ 491 ff. BGB). In diesem Fall bilden der Kaufvertrag und der Darlehensvertrag eine sogenannte „verbundene Finanzierung“, was bedeutet: Wenn du vom Kaufvertrag wegen eines Mangels zurücktrittst, kannst du auch den Finanzierungsvertrag rückabwickeln.
So gehst du dabei vor:
- Mangel dokumentieren und dem Händler melden (Fotos, Werkstattbericht, schriftlich reklamieren).
- Nachbesserung verlangen und Frist setzen (z. B. 14 Tage).
- Wenn erfolglos: Rücktritt vom Kaufvertrag erklären.
- Finanzierungsbank informieren: Teile ihr mit, dass du vom Kauf zurücktrittst und den Darlehensvertrag widerrufst oder kündigst.
- Zahlungen stoppen, sobald der Rücktritt anerkannt ist – ggf. rechtlich beraten lassen.
Wichtige Tipps für die erfolgreiche Schadensregulierung bei einem defekten Auto
Es ist wichtig, dass du deine Rechte beim Kauf eines Gebrauchtwagens kennst. Es gibt aber noch weitere Schritte, die du unternehmen kannst, um eine positive Abwicklung deines Anliegens zu erreichen:
- Bring das Auto zu einem Fachmann. Lass das Auto von einem qualifizierten Kfz-Mechaniker untersuchen und erstelle einen schriftlichen Bericht, in dem du die Art des Fehlers und seine mögliche Ursache erklärst.
- Je früher du das Problem meldest, desto besser. Wenn du bemerkst, dass etwas mit dem Auto nicht stimmt, solltest du den Verkäufer umgehend kontaktieren, denn mit zunehmender Zeit sinken deine Optionen.
- Mach genaue Angaben. Beschreibe genau, wann der Fehler aufgetreten ist, welche Art von Fehlern vorliegt und füge alle Belege bei, z. B. den Werkstattbericht.
- Dokumentiere alles. Hebe die gesamte Kommunikation mit dem Verkäufer oder der Finanzierungsgesellschaft auf, einschließlich E-Mails, Nachrichten und Rechnungen. Vermeide mündliche Vereinbarungen und halte alles schriftlich fest.
- Vermeide es, Reparaturen selbst auszuführen oder das Auto weiterzufahren. Denn alles, was du selbst unternimmst, nachdem du das Problem bemerkt hast, kann deinen Anspruch schmälern oder Garantien ungültig machen.
- Erwäge, dich rechtlich beraten zu lassen. Wende dich an eine Rechtsberatung, wenn die Verhandlungen ins Stocken geraten oder du das Gefühl hast, dass der Verkäufer nicht in gutem Glauben handelt. Sie kann dir helfen, Schreiben zu verfassen und die rechtlichen Schritte zu erläutern.
Hol dir einen carVertical-Bericht, bevor du einen Gebrauchtwagen kaufst
Falls du das Auto bereits gekauft und einen Mangel festgestellt hast, kann der Bericht zur Fahrzeughistorie wertvoll sein, um nachzuweisen, dass das Auto zum Zeitpunkt des Verkaufs verborgene Mängel hatte, z. B. frühere Unfälle, die verschwiegen wurden. Der Bericht ist jedoch kein rechtsgültiges Dokument, sondern nur eine Ergänzung.
Am besten holst du dir einen carVertical-Bericht, bevor du den Vertrag unterschreibst. So kannst du eine fundierte Entscheidung treffen und dir den ganzen Ärger ersparen.
Viele Händler, die mit carVertical zusammenarbeiten, bieten ihren Käufern einen kostenlosen Fahrzeughistorie-Bericht an, um die Transparenz und das Vertrauen zu erhöhen. Erkundige dich einfach, wenn du dir nicht sicher bist, ob dieser Service angeboten wird.
Ein carVertical-Bericht enthält in der Regel wichtige Informationen über die Vergangenheit eines Fahrzeugs, wie Schadensberichte, Kilometerstände (und ggf. Rückstellungen), Besitzerwechsel, historische Fotos, den rechtlichen Status und vieles mehr.
Mit einem Bericht zur Fahrzeughistorie kannst du potenzielle Gefahrenquellen vor dem Kauf erkennen und herausfinden, ob der Zustand des Fahrzeugs deinen Erwartungen entspricht. Auf diese Weise vermeidest du zukünftige Probleme mit dem Fahrzeug und steigerst zugleich dein Vertrauen in den Kaufprozess.
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